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Wolf-Ekkehard Lönnig

 

Coryanthes und Catasetum:

BIETET DIE SYNTHETISCHE EVOLUTIONSTHEORIE
EINE WISSENSCHAFTLICH GESICHERTE[1] ERKLÄRUNG
FÜR DEN URSPRUNG DER SYNORGANISIERTEN STRUKTUREN
DIESER (und anderer) ORCHIDEEN?

 

(Zu Coryanthes:) "There certainly is not a more singular genus than this in the whole vegetable kingdom,
nor one whose flowers are less like flowers to the eye of the ordinary observer."

John Lindley

 

(Zu Catasetum:) "Wer wäre wohl so kühn gewesen zu vermuten, daß die Fortpflanzung von einer Art von einer so komplizierten,
so augenscheinlich künstlichen und doch so bewundernswerten Anordnung abhängt?"

Charles Darwin

 

"Every aspect of the "wonderful design" so admired by the natural theologians could be explained by natural selection."

Ernst Mayr

 

"We take the side of science
in spite of the patent absurdity of some of its constructs,
in spite of its failure to fulfill many of its extravagant promises of health and life,
in spite of the tolerance of the scientific community for unsubstantiated just-so stories,
because we have a prior commitment, a commitment to materialism.
It is not that the methods and institutions of science somehow compel us to accept a material explanation of
the phenomenal world, but, on the contrary, that we are forced by our a priori adherence to material causes
to create an apparatus of investigation and a set of concepts that produce material explanations,
no matter how counter-intuitive, no matter how mystifying to the uninitiated.
Moreover, that materialism is an absolute, for we cannot allow a Divine Foot in the door. "

Richard Lewontin

 

"The rigid commitment to naturalism contains an inherent contradiction:
a preference to do damage to natural laws rather than accept any element of the supernatural.
Naturalism demands that any inconsistency be resolved by altering the theories which gave rise to it,
thus causing theorists to despoil the very natural law they profess to be safeguarding.
In the name of naturalism, they willingly jettison [aufgeben] our most thoroughly tested natural laws.
In this way, naturalism can be downright anti-naturalistic."

Walter James ReMine

 

"The reluctance of science to embrace the conclusion of intelligent design
that its long, hard labors have made manifest has no justifiable foundation.
Scientific chauvinism is an understandable emotion,
but it should not be allowed to affect serious intellectual issues.
...The simplicity that was once expected to be the foundation of life has proven to be a phantom;
instead, systems of horrendous, irreducible complexity inhabit the cell."

Michael J. Behe

 

"Everything should be made as simple as possible, but not simpler."

Albert Einstein

 

 

Vorbemerkung: Die folgende Abhandlung stammt zum größten Teil aus einer Diskussion zwischen Herrn Dr. A. und mir vom 1. 12. 1995; der Text wurde erweitert, insbesondere durch ein längeres Zitat zu Catasetum nach Meeuse und Morris und Darwins Abbildungen zu beiden Orchideenarten sowie Fußnoten etc. 2002 (Hervorhebungen im Schriftbild - außer Artnamen - der Zitate fast alle von mir). - Einige Punkte würde ich heute wohl etwas "weniger grimmig" formulieren, aber die Tatsachen und die Argumentation bleiben von dieser stilistischen Frage unberührt. Zusätzlich sei noch angemerkt, dass ich Darwins Motivation zu seinem Orchideenwerk ausgesprochen aufschlussreich finde. An Asa Gray schrieb er: "[N]o one else has perceived that my chief interest in my orchid book has been that it was a 'flank movement' on the enemy" (zitiert nach H. Cronin 1993, p. 26, bold von mir). "The enemy" waren natürlich die 'defenders of deliberate design'. Der um Wahrheit ringende Leser urteile bitte beim gründlichen Studium der folgenden Diskussion selbst, ob Darwins Angriff erfolgreich war oder nicht:

Zur Ergänzung zu Utricularia möchte ich noch zwei weitere Beispiele gegen den Darwinismus und die Synthetische Evolutionstheorie aufführen. Es handelt sich um die erstaunlichen Blütenstrukturen der Orchideengattungen Coryanthes und Catasetum, die Charles Darwin vor mehr als 125 Jahren in seiner ORIGIN wie folgt beschrieben hat (zunächst zu Coryanthes - die Abbildung vorweg stammt aus Darwins Orchideenabhandlung 1877; Darstellungen nach neueren Befunden siehe unten, ebenso Darwins Catasetum-Abbildungen):

Diese Orchidee hat ihr Labellum (Unterlippe) teilweise zu einem großen Gefäß ausgehöhlt, in das fortwährend aus zwei darüber befindlichen Hörnern Tropfen fast reinen Wassers herabsickern. Ist das Gefäß halb voll, so fließt das Wasser durch einen seitlichen Abguß ab. Der Basalteil der Unterlippe steht über dem Gefäß und ist selbst kammerartig ausgehöhlt mit zwei Seiteneingängen; in dieser Kammer befinden sich sonderbare fleischige Leisten. Der intelligenteste Mensch könnte, wenn er es nicht sähe, unmöglich ausfindig machen, welchem Zwecke all diese Teile dienen. Crüger sah jedoch, daß eine Anzahl großer Hummeln die Riesenblüten der Orchideen besuchten, nicht um Nektar zu schlürfen, sondern um die Leisten in den Kammern oberhalb des Gefäßes abzunagen. Während sie dies taten, stießen sie einander häufig in das Gefäß; dadurch wurden ihre Flügel so naß, daß sie nicht fortfliegen konnten und durch den vom Ausguß gebildeten Durchgang kriechen mußten. Crüger sah eine "ununterbrochene Prozession" von Hummeln in dieser Weise aus dem unfreiwilligen Bade kriechen. Der Durchgang ist eng und hat ein von Säulen getragenes Dach, so daß die Hummel beim Durchzwängen ihren Rücken erst an der klebrigen Narbe reibt und dann an den klebrigen Drüsen der Pollenmassen. Diese kleben dadurch am Rücken derjenigen Hummel fest, die zufällig zuerst durch den Gang einer eben entfalteten Blüte kriecht, und werden so fortgetragen. Crüger sandte mir in Spiritus eine Blüte mit einer Hummel, die er getötet hatte, bevor sie ganz herausgekrochen war; auf ihrem Rücken befand sich noch die Pollenmasse. Fliegt nun eine so belastete Hummel zu einer andern Blüte oder zum zweitenmal zu derselben zurück, wird sie von ihren Genossen in das Gefäß gestoßen, und kriecht sie dann durch den Gang, so kommt die Pollenmasse mit der klebrigen Narbe in Verbindung, bleibt hier hängen und - die Blüte ist befruchtet. Jetzt erst erkennen wir den vollen Wert jedes einzelnen Blütenteils: der Wasser absondernden Hörner und des halbgefüllten Gefäßes, das die Hummeln am Fortfliegen verhindert und sie zwingt, durch die Öffnung zu kriechen und sich an den zweckmäßig aufgestellten klebrigen Pollenmassen und der klebrigen Narbe zu reiben.

Der Bau der Blüte einer verwandten Orchidee (Catasetum)# ist vollkommen anders, obgleich er demselben Zweck dient, er ist aber ebenso merkwürdig. Wie die der Coryanthes, so werden auch ihre Blüten von Bienen besucht, die das Labellum benagen. Dabei berühren sie unweigerlich einen langen, spitzzulaufenden empfindlichen Fortsatz, den ich Antenne genannt habe. Diese Antenne überträgt bei der Berührung eine Empfindung oder Schwingung auf eine gewisse Membran, die sofort aufbricht, und dadurch wird eine Feder ausgelöst, die die Pollenmasse wie einen Pfeil vorschnellt und ihr klebriges Ende an den Rücken der Biene heftet. Die Pollenmasse der männlichen Pflanzen (diese Orchideen sind getrenntgeschlechtlich) wird demnach auf die Blüte der weiblichen Pflanze übertragen, wo sie mit der Narbe in Berührung kommt, die genügend klebrig ist, um gewisse elastische Fäden zu zerreißen und die Pollenmasse zurückzubehalten; damit ist die Befruchtung bewirkt.

Nach diesen Ausführungen, sollte man ja nun erwarten, dass uns der Autor zu seinem Thema The Origin of Species eine überzeugende Erklärung dafür liefert, wie sich aus 'normalen' Orchideen Schritt für Schritt eine Coryanthes- bzw. eine Catasetum-Orchidee entwickelt haben soll: Wie viele und welche Schritte waren dafür notwendig? Welche Selektionsvorteile hatten die einzelnen Schritte (Veränderungen) gegenüber dem Bau der herkömmlichen Orchideen? Durch welche genetischen Ursachen [wie wir heute sagen würden - man kann auch generell nach den Ursachen fragen] wurden die angenommenen vielen kleinen Schritte bewirkt? Wie sieht der experimentelle Beweis für die Richtigkeit dieser Annahmen aus? Keine einzige dieser Fragen wird jedoch von Darwin gestellt und/oder beantwortet. Statt dessen folgen einige (ziemlich nichtssagende) generalisierende Feststellungen über Variabilität und Vererbung 'modifizierter Bildungen' und dass die Natur keine Sprünge macht (natura non facit saltum) und dass sehr viele kleine Schritte für die Bildung neuer Organe notwendig waren ("denn die natürliche Zuchtwahl wirkt nur dadurch, daß sie sich kleine allmähliche Abänderungen zunutze macht; sie kann nie einen großen und plötzlichen Sprung machen, sondern muss mit kurzen und sicheren, aber langsamen Schritten voranschreiten" - Darwin 1876, p. 224). Er räumt immerhin ein, dass es "in vielen Fällen sehr schwer auch nur zu mutmaßen ist, durch welche Übergänge viele Organe zu ihrer jetzigen Beschaffenheit gelangt seien", doch behauptet er direkt anschließend, dass selten ein Organ vorkommt, von welchem man keine hinleitenden Übergangsstufen kennt usw.

Nun könnte man natürlich nicht ganz unberechtigt darauf hinweisen, dass mit Darwin die Evolutionstheorie noch ziemlich am Anfang war (wenn auch Lamarck und St. Hilaire schon 70 Jahre zuvor evolutionäre Ideen und Theorien veröffentlicht hatten) und er die Antworten auf die entscheidenden Fragen damals noch nicht wissen konnte. Inzwischen sind jedoch mehr als 100 Jahre intensivster Forschung auf allen Gebieten der Biologie vergangen (mit den beiden oben erwähnten Autoren fast 200 Jahre). Wo stehen wir also heute mit diesen Fragen? Kann nun die moderne Synthetische (oder irgendeine andere) Evolutionstheorie die Fragen zu den oben zitierten Beispielen überzeugend beantworten? Meines Wissens trifft das nicht zu!

Statt dessen gewinnen grundsätzliche Einwände gegen den darwinschen Ansatz in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung:

Der bedeutende Botaniker Karl Goebel bemerkte zu den Orchideenblüten, "daß alle die wunderbaren Anpassungen der Orchideenblüten nicht mehr erreichen, als zahllose viel einfachere Bestäubungseinrichtungen. Wir finden die verwickelten Einrichtungen vieler Orchideenblüten, z.B. Catasetum mit seiner Pollinienabschleuderung, Coryanthes mit ihrem Lippenbad für die Blütenbesucher, als Kunstwerk wundervoll. Aber vom platten Nützlichkeitsstandpunkt aus ist das alles eine "Luxusanpassung", die uns dann verständlich ist, wenn sie für die Formen, welche sie aufweisen, eine durch ihre ganze Organisation bestimmte und gegebene war. Dann ist sie [die 'Anpassung'] kein Luxus, sondern eine zwar nicht an sich (d.h. wenn man nur auf das Rücksicht nimmt, was erreicht wird), aber für eine Orchidee zweckmäßige. Die Selektionstheorie weist eine solche durch innere Ursachen in bestimmter Richtung erfolgende Gestaltung ab. Aber sie ist weder zureichend, die "Entstehung der Arten" noch die Vielfältigkeit der Anpassungen uns verständlich zu machen: eben weil sie der Morphologie den "logos" nimmt und sie in ein Gemenge an sich richtungslose[r] Variationen auflösen will" (bold/kursiv von Goebel gesperrt).

Wilhelm Troll, der größte Pflanzenmorphologe des 20. Jahrhunderts, referiert und kommentiert Goebel u.a. wie folgt: "... vom platten Nützlichkeitsstandpunkt aus seien Einrichtungen wie die einer Catasetum-Blüte mit ihrer Pollinienabschleuderung oder einer Coryanthes-Blüte mit ihrem Lippenbad für die Blütenbesucher Luxusanpassungen, die nicht mehr erreichen als die viel einfacheren Bestäubungseinrichtungen zahlreicher anderer Orchideen und deshalb im Kampf ums Dasein nicht gezüchtet sein können..."

Professor Wolfgang Kuhn (Universität Saarbrücken) bemerkt zu Coryanthes:

Immerhin räumt der alte Darwin im Anschluß an dieses Paradebeispiel gegen den blinden Zufall als "schöpferische Ursache" ein, es sei "in vielen Fällen äußerst schwierig...auch nur zu mutmaßen, durch welche Übergänge Organe ihren jetzigen Zustand erreicht haben". Nur denkt er leider, wie seine Nachfolger noch immer, nicht konsequent bis zu Ende. So stellt sich ihm erst gar nicht die Frage, wie denn die hypothetischen "Vorstufen" eines derartigen "Präzisionsmechanismus", einer solch fehlerfrei funktionierenden "Ganzheit", wie man heute sagen würde, im angeblich erbarmungslosen Kampf ums Dasein hätten überleben können. Immerhin waren sie ja während dieser Entwicklung noch nicht "fertig", mithin also unvollkommen und damit nicht "funktionsfähig". Die "natürliche Auslese" hätte demnach leichtes Spiel damit gehabt, sie auszumerzen! Es wäre für einen Wahrscheinlichkeitsmathematiker sicher eine reizvolle, wenn auch trotz aller modernen Computer, die er mit den entsprechenden Daten füttern könnte, kaum lösbare Aufgabe, die Wahrscheinlichkeit oder, treffender gesagt, die zweifellos nicht einmal mehr in astronomischen Zahlen auszudrückende Unwahrscheinlichkeit eines "zufälligen" Zusammentreffens aller zum richtigen Funktionieren nun einmal erforderlichen Voraussetzungen auszurechnen - und zwar "auf beiden Seiten": bei der Blüte sowohl als auch bei ihren Besuchern, den Hummeln!

Max Thürkauf hat diese enorme Unwahrscheinlichkeit einer rein zufälligen Entstehung von "Synorganisation", jener planvollen Zuordnung, die jeden lebendigen Organismus kennzeichnet, einmal treffend karikiert. Es sei, so bemerkte er, sehr viel wahrscheinlicher, daß eine Katze, die auf den Tasten einer Schreibmaschine herumhüpft, dabei zufällig Goethes Faust (erster und zweiter Teil!) schreibt, als daß ein so komplizierter Organismus wie der einer Katze jemals durch Zufall zustandekäme!

Um Ihnen noch einmal ein Bild von der Komplexität der Coryanthes-Blüte zu vermitteln, habe ich Ihnen im folgenden einige Abbildungen und weitere Zitate zu diesem Thema zusammengestellt:

Blütenstand von Coryanthes speciosa, Helmorchidee. Abbildung aus Peter Arnold (1994, p. 32; Orchideen):

 

Die folgende Zeichnung von Coryanthes-Blüten und des Längsschnitts durch eine Blüte samt Bewegungsablauf einer Prachtbiene aus B. Meeuse und S. Morris 1984, p. 59:

Meeuse und Morris bemerken zu dieser Darstellung: "Männliche Prachtbienen sammeln in den Blüten dieser Coryanthes-Art ein öliges Sekret. Dabei verlieren sie oft den Halt und purzeln in den "Eimer". Die von der Flüssigkeit durchnäßte Biene findet nur einen einzigen Fluchtweg - einen günstig gelegenen Tunnel an der Seite des Kessels. Am Ende des Tunnels jedoch hält die Pflanze sie fest, klebt ihr zwei Pollenpakete auf den Rücken und hält sie so lange gefangen, bis der Klebstoff fest geworden ist. Sobald die Biene sich befreit hat, kann sie wieder eine andere Coryanthes-Orchidee besuchen, wo sich im Grunde genommen der ganze Vorgang wiederholt; doch diesmal nimmt ihr ein Haken am Ende des Tunnels geschickt die Pollenpakete wieder vom Rücken."

Weiter beschreiben Meeuse und Morris mehr als 100 Jahre nach Darwins Schriften zum Ursprung der Arten und über die Orchideen die Blütenstrukturen von Coryanthes sehr anschaulich wie folgt (pp. 58-60):

Der Aufbau der Blüte ist - selbst für den Botaniker, der Überraschungen gewohnt ist - äußerst erstaunlich. Die Sepalen, die sich wie gefaltete Schmetterlingsflügel zurückbiegen, enthüllen ein Gebilde, das einem steilwandigen, unbedeckten Eimer ähnelt. Am Rand des Eimers wächst ein pilzförmiges Objekt nach oben. Über der Eimermitte hängen zwei rundliche Verdickungen - Drüsen, die in den ersten paar Stunden nach Öffnung der Blüte ständig eine klare Flüssigkeit absondern. Diese tropft hinunter in den Eimer. Nach ein paar Stunden ist die Blüte ungefähr 6 Millimeter hoch mit Flüssigkeit gefüllt. Dann werden die Drüsen "abgestellt". In die Seite des Eimers mündet - gerade über dem Flüssigkeitsspiegel - ein kurzer Tunnel, der dem Schnabel einer Gießkanne ähnelt. Am Eingang dieses Tunnels befindet sich eine teilweise von der Flüssigkeit bedeckte, kleine "Beule" in der Eimerwand. An der Decke des Trichterausgangs sitzen Pollinien und Narbe der Blüte.

Die Blüten sind - je nach Art - gelb oder gelb mit braunen und orangefarbenen Flecken. Der Beobachter, der herausfinden will, wie dieses kunstvolle Blütengebilde "funktioniert", braucht normalerweise gar nicht lange zu warten. Schon während der Minuten, in denen sie sich öffnet, strömt die Blüte einen schweren, seifenartigen, süßen Duft aus. Wie durch ein Zauberwort herbeigerufen, erscheinen die normalerweise etwas scheuen, selten anzutreffenden Prachtbienenmännchen - manchmal sogar zu Dutzenden. Diese Bienen, die die Coryanthes-Blüten besuchen, gehören zu den schönsten Insekten, die es gibt; sie weisen - je nach Art - glänzende, irisierende Grün-, Blau- oder Bronzetönungen auf.

Zunächst landen die Bienen noch nicht auf den Blüten, sondern fliegen nur höchst aufgeregt umher, wobei sie sich gelegentlich in der Luft gegenseitig rammen, als wollten sie miteinander um den Besitz der von der Orchidee angebotenen Substanzen wetteifern. Nach ein paar Minuten beginnen sie, am Rand, an den Außenwänden und auf dem pilzförmigen Gebilde (es sitzt auf der den zwei Drüsen gegenüberliegenden Seite des Randes) zu landen. Alle kratzen mit ihren bürstenähnlichen Vorderfüßen ein paar Sekunden lang wie wild an der wachsartigen Oberfläche der Blüte. Dann ziehen sie sich ein Stückchen zurück, schweben in der Luft und verstauen die gesammelten Ölsubstanzen in Taschen an ihren Hinterbeinen. Danach landen sie wieder auf der Blüte und wiederholen den ganzen Vorgang.

Wenn bis zu zwölf Bienen an jeder Blüte eifrig Orchideensubstanzen sammeln und sich dabei gleichzeitig auch noch gelegentlich in Luftgefechte miteinander einlassen, ist es kein Wunder, daß früher oder später eine den Halt verliert und in die Mitte der Blüte fällt. Sie geht in der klaren Flüssigkeit sofort unter. (Experimente haben gezeigt, daß die Flüssigkeit ein Benetzungsmittel enthält und daher eine nur sehr geringe Oberflächenspannung aufweist.) Die Biene bemüht sich freizukommen, doch die Wände sind wachsähnlich und glatt und so kommt sie nicht weiter. Sie würde in der Flüssigkeit rasch ertrinken, wenn es nicht einen in diese Blütenfalle eingebauten Fluchtweg gäbe - den Tunnel. Während die Biene verzweifelt herumzappelt, kommen ihre Vorderfüße mit der "Beule" an der Seite des Eimers in Berührung. Diese Beule ist eine Art Treppenstufe, welche die durchnäßte Biene in den Tunneleingang führt. Der Tunnel schließt sich eng um die Biene, und sie muß sich buchstäblich zum Ausgang vorkämpfen. Doch gerade in dem Augenblick, in dem es schon so aussieht, als werde sie nun endlich ihre Freiheit wiedererlangen, drückt sich ein an der Tunneldecke befindlicher Vorsprung fest in den Spalt zwischen ihrem Brustkasten und ihrem Hinterleib. Obwohl sie sich energisch wehrt, wird sie festgehalten, und die Blüte klebt ihr ihre Pollinien fest auf den Rücken! Wodurch die Dauer der Gefangenschaft einer solchen Biene bestimmt wird, wie der Mechanismus in Gang gesetzt und wie die Biene dann anschließend wieder freikommt, weiß man nicht. Nach ungefähr zehn Minuten kommt die mit den Pollinien beladene Biene schließlich zum Vorschein und fliegt davon, um zu trocknen.

Was geschieht in der Zwischenzeit mit den anderen Bienen, die fleißig ihre Orchideensubstanz sammeln? Viele von ihnen erleiden das gleiche Schicksal wie die erste Biene - nur mit dem einen Unterschied, daß sie nun, da die Pollinien schon entfernt sind, ungehindert durch den Fluchttunnel kriechen können wie Besucher durch ein Drehkreuz. Es werden weiterhin neue Bienen angelockt, bis die Blüte bestäubt ist oder sie am Ende ihres zweiten Tages verwelkt - je nachdem, was eher eintritt. Zur Bestäubung kommt es, wenn eine Biene, die Pollinien von einer anderen Coryanthes-Pflanze am Leib trägt, in die Blüte stürzt. Diese Biene muß sich auf ihrer Flucht an einem an der Tunneldecke befindlichen Greifhaken vorbeidrängen; und dieser pflückt ihr die Pollinien vom Rücken. Die Chance, daß das geschieht, ist jedoch zwangsläufig sehr gering. Die Coryanthes ist keine verbreitete Orchidee und blüht außerdem in unregelmäßigen Abständen. Die Bienen sind auch nicht gerade häufig, obwohl eine blühende Coryanthes angeblich über eine Entfernung von bis zu 8 Kilometern hinweg Bienenmännchen anzieht, werden - wenn überhaupt - nur wenige von ihnen gerade Pollinien von einer anderen Pflanze auf dem Rücken tragen. Außerdem fällt ja auch nicht jeder Besucher in den Eimer. Die Chancen für diese Orchidee scheinen also ausgesprochen schlecht zu stehen. Beobachtungen der Coryanthes in freier Natur ergaben, daß die Pflanzen nur sehr selten mehr als eine Samenkapsel pro Blütenstil trugen - in den meisten Fällen gar keine. Wenn es jedoch zu einem solchen "Glückstreffer" kommt und Bestäubung erfolgt, so enthält die entstehende Samenkapsel Hunderttausende mikroskopisch kleiner Samen, die mit dem Wind davontreiben, wenn die reife Samenkapsel schließlich aufspringt und sie freiläßt.

Abbildung aus Meeuse und Morris, p. 60.

Als Kommentar zur Abbildung bemerken Meeuse und Morris: "Ein Pollinienpaar ist fest an den Hinterleib dieser Prachtbiene gekitted - diese Traglast hat sie sich bei einer früheren Begegnung mit einer Coryanthes-Orchidee erworben. Während ihrer Flucht aus der mit Flüssigkeit gefüllten Falle dieser zweiten Blüte werden der Biene die Pollenpakete vom Rücken gepflückt. So kommt die Fremdbestäubung dieser Orchideen zustande." - Siehe weiter http://www.pbs.org/wnet/nature/orchids/deceivers.html (mit Movie; Voraussetzung mindestens QuickTime 3).

Ein Serie ganz hervorragender Aufnahmen von 34 Coryanthes-Spezies sowie Aufschluss über weitere funktionale Strukturen wie den extrafloralen Nektarien der Gattung findet der daran interessierte Leser bei Günter Gerlach, Konservator am Botanischen Garten München, THE SPECIES OF THE GENUS CORYANTHES. G. Gerlach beschäftigt sich seit zwanzig Jahren mit der Gattung.

Sehen wir uns jetzt Catasetum einmal etwas genauer an. Die folgenden beiden Aufnahmen wurden uns freundlicherweise von Herrn Dr. G. Gerlach am 22. 10. 2002 zur Verfügung gestellt:

 

Auf der Abbildung links sind männliche Blüten und auf der Abbildung rechts eine weibliche Blüte mit einem Prachtbienenmännchen dargestellt.

Zu Catasetum schreiben Meeuse und Morris pp. 61/62 ("Unterthema Prachtbienen und Catasetum-Scharfschützen"):

Die vielen südamerikanischen Orchideenarten der Gattung Catasetum bedienen sich bei der Bestäubung eines "Scharfschützen"-Mechanismus. Hier ist die Sache jedoch noch komplizierter, denn nur die männlichen Blüten wenden diese Technik an: Catasetum ist eine der wenigen Orchideen, bei denen man getrennte männliche und weibliche Blüten findet - für gewöhnlich an verschiedenen Pflanzen. Sie unterscheiden sich im Aufbau so sehr, daß man kaum glauben möchte, daß sie zu ein und derselben Art gehören. Beide sehen allerdings ziemlich unscheinbar aus, erzeugen jedoch einen starken Duft, der bei den männlichen Exemplaren zwei oder drei Tage nach der Öffnung auftritt, bei den weiblichen dagegen erst mehrere Tage später.

Die Bestäuber sind Prachtbienenmännchen... [die ebenfalls zur Gattung Euglossa gehören; Anmerkung von W.-E.L.] Sie sind ganz begierig danach, den Duftstoff zu sammeln, der von dem Drüsengewebe in der Lippenhöhlung der Blüte erzeugt wird. Wenn die Tiere in die Duftkammern der männlichen Blüten eindringen, können sie fast gar nicht umhin, eine oder beide der scharfen Spitzen eines Paares höchst merkwürdiger Anhängsel zu berühren. Diese werden als "Römer" oder "Antennen" bezeichnet und ragen aus jenem Teil der Blüte hervor, in dem die Pollinien verborgen sind. Durch einen dünnen, elastischen Stiel sind die Pollinien mit der sogenannten Klebscheibe verbunden. Diese befindet sich in einem kleinen Sack, und zwar so, daß der Stiel unter Spannung in gekrümmter Position gehalten wird. Schon bei einer leichten, durch die zarte Berührung einer Biene hervorgerufenen Biegung der Hörner wird die Klebscheibe mit großer Kraft aus ihrem Sack befreit, denn der gebogene Stiel der Pollinien springt hoch wie eine Metallfeder. Das ganze Pollinarium (die beiden Pollinien mit ihrem Stiel und der Klebscheibe) wird herausgeschleudert, macht einen halben Salto rückwärts und trifft - mit der Klebscheibe zuerst - die Biene. Der Aufprall ist so stark, daß das Insekt manchmal sogar aus der Blüte herausgeschlagen wird! Experimente haben gezeigt, daß das Pollinarium - wenn die Biene dieses Geschoß nicht mit ihrem Körper abfinge - 80 Zentimeter weit fliegen würde. Da ist es kaum verwunderlich, daß die Klebscheibe sofort fest an dem Insekt haften bleibt! Die Treffsicherheit dieser Blüten ist geradezu unheimlich; nur welcher spezielle Körperteil der Biene jeweils getroffen wird, das ist von Art zu Art unterschiedlich.

Sobald das Pollinarium abgeschossen ist, beginnt der Geruch der Blüte sich zu verändern, und nach kurzer Zeit ist er ganz weg. Die männliche Blüte hat nun ihre Aufgabe erfüllt. Die weiblichen Blüten beginnen ihren Duft erst einige Tage später zu erzeugen, und sie strömen ihn auch nicht ununterbrochen aus, sondern an mehreren Tagen hintereinander jeweils nur ein paar Stunden lang (für gewöhnlich ein bis zwei Stunden am Morgen). Sie duften mindestens solange, wie sie unbestäubt sind, und das kann bis zu einem Monat dauern.

Bei einem pollinariumbeladenen Prachtbienenmännchen, das in die Duft-Höhle einer weiblichen Blüte kriecht, baumelt das Pollinarium unter dem Körper. Wenn das Insekt die Blüte dann, mit Duftstoffen beladen, wieder verläßt, bewegt es sich dabei rückwärts; und wenn diese Catasetum zur selben Art gehört, von der auch das Pollinarium stammt - aber nur dann -, sind die Pollinien genau in der richtigen Position und bleiben in der das befruchtungsbereite Narbengewebe bildenden Rinne hängen. Hier bleiben sie dann, während Stiel und Klebscheibe abbrechen und von der Biene davongetragen werden. Die Blüte ist bestäubt. Binnen einer halben Stunde verliert sie ihren Duft, und von jetzt an kümmert sich keine einzige Biene mehr um sie.

Jede Catasetum-Art hat ihren eigenen besonderen Geruch und zieht daher auch nur ihre eigenen besonderen Euglossa-Bienen an. Außerdem funktioniert der Schleudermechanismus mit derartiger Präzision, daß die Pollinien immer nur an einen bestimmten Körperteil des Bestäubers angeheftet werden: nämlich den für die Bestäubung "richtigen". Infolgedessen kommt Hybridisation zwischen verschiedenen Catasetum-Arten in freier Natur nur äußerst selten vor.

Catasetum-Abbildungen aus Darwin 1877, pp. 154/155.

Prof. Klaus Lunau - ein Befürworter der Synthetischen Evolutionstheorie - vermerkt zu C. fimbriatum und weiteren Arten unter anderem (2002, p. 89):

Während des Besuchs der staminaten Blüte löst das Prachtbienenmännchen beim Parfümsammeln einen Triggermechanismus aus, der das Pollinium wie mit einem Katapult an den Körper des Prachtbienenmännchens schießt, wo das Pollinium mit einer Klebscheibe haftet. Die Geschwindigkeit des abgeschossenen Polliniums wurde bei Catasetum fimbriatum auf 323 cm/sec bestimmt. Die derart beschossenen Prachtbienenmännchen verlassen darauf fluchtartig die Blüte - mit Pollinien. Beobachtungen von Gustavo Romero und Craig Nelson (1986) an Catasetum ochraceum ergaben, dass von 86 an C. ochraceum beobachteten Prachtbienenmännchen kein einziges zum zweiten Mal eine männliche Blüte dieser Art aufsuchte. Offensichtlich reicht in diesem Fall eine einzige derartige Erfahrung aus, dass sie diese Signalkonstellation nicht mehr anfliegen. Auf diese Weise hat diese staminate Catasetumblüte alle männliche Konkurrenz aus dem Feld geschlagen und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für einen Folgebesuch einer ähnlich duftenden, aber völlig anders aussehenden pistillaten Blüte erhöht.

Nach K. Lunaus Hypothese imitieren die von den Parfümorchideen erzeugten Duftöle 'Duftstoffe der für die Weibchen attraktiven Harze, die diese zum Nestbau verwenden'. Außerdem imitierten die weiblichen Catasetum-Blüten einen Prachtbienennesteingang. - Der Verfasser macht jedoch keinen Versuch, die Entstehung der Synorganisationen bei Catasetum im Sinne seiner Theorie Schritt für Schritt zu erklären (siehe auch die weiteren Anmerkungen unten).

Kommen wir [damit] auf die Frage nach der Entstehung solcher Systeme zurück: Wie oben ausgeführt, hatte weder Darwin eine überzeugende evolutionäre Erklärung für die Entstehung solcher synorganisierten Strukturen, noch haben die zeitgenössischen Evolutionisten eine naturalistische Erklärung. Evolutionstheoretiker können zur Zeit nur glauben, dass alles "von selbst" entstanden ist, aber sie können es nicht beweisen.

In gänzlicher Abwesenheit einer überzeugenden wissenschaftlichen Beweisführung zur selektionstheoretischen Entstehung der genannten Blütenstrukturen der Orchideen versucht Darwin seine Theorie zu retten, indem er just in diesem Zusammenhang die Schöpfungstheorie [seiner biologischen und weiteren Zeitgenossen] angreift. Die dahinter stehende Taktik ist: Versuche, die Schöpfungstheorie als unglaubwürdig hinzustellen und der Leser wird die Evolutionslehre akzeptieren. [Wären die folgenden Argumente Darwins gegen Intelligent Design tatsächlich zutreffend, dann hätte diese Methode als einzige Wahl zwischen zwei Möglichkeiten - und das wird dabei vorausgesetzt - sogar eine gewisse Berechtigung; aber sehen wir uns seine Einwände einmal etwas genauer an]. Wir lesen:

Es ist gewiß richtig, daß neue Organe sehr selten oder nie plötzlich bei einem Wesen* erscheinen, als ob sie für einen besonderen Zweck geschaffen worden wären; - wie es auch schon die alte, obwohl etwas übertriebene naturgeschichtliche Regel "Natura non facit saltum" anerkannt wird. Wir finden dies in den Schriften fast aller erfahrenen Naturforscher angenommen: MILNE EDWARDS hat es treffend mit den Worten ausgedrückt: Die Natur ist verschwenderisch in Abänderungen, aber geizig in Neuerungen. Warum sollte es nach der Schöpfungstheorie so viel Abänderung und so wenig wirklich Neues geben? (Darwin p. 223/224).

Wenn das richtig wäre, dann würde das ja mit anderen Worten für die Schöpfungstheorie bedeuten, dass der Schöpfer "verschwenderisch in Abänderungen, aber geizig in Neuerungen" wäre. Und ein in unwesentlichen Dingen verschwenderischer und obendrein in allen wesentlichen Neuerungen geiziger Schöpfer ist ja wohl für keinen vernünftigen Menschen und Wissenschaftler akzeptabel und zumutbar. Also lassen wir die Schöpfungstheorie fallen und akzeptieren wir die Evolutionslehre, die ja trotz ihrer Erklärungsschwierigkeiten zumindest nicht solche unvernünftigen Annahmen zu machen braucht.

Genauer betrachtet irrt Darwin in allen wesentlichen Punkten: Es ist schlicht und einfach falsch, "daß neue Organe sehr selten oder nie plötzlich bei einem Wesen erscheinen, als ob sie für einen besonderen Zweck geschaffen wären". Bei praktisch allen neuen Tierstämmen, die beispielsweise im Kambrium auftreten, erscheinen die neuen Organismen der Tierstämme mit sämtlichen Organen so plötzlich und abrupt, dass selbst Darwin zugab (p. 396): "Diese Tatsache muss vorerst unerklärt bleiben und wird mit Recht als eine wesentliche Einrede gegen die hier entwickelten Ansichten hervorgehoben werden." Und diese Tatsache ist bis heute nicht nur unerklärt, sondern durch viele weitere Fossilfunde für die Evolutionslehre noch viel schwieriger geworden. Ein [umfangreiches Werk] könnte man zum plötzlichen Erscheinen neuer Organe verfassen. (Das schließt nicht aus, dass Organe nach ihrem plötzlichen Auftreten bei den ersten Organismen später bei der Verwirklichung weiterer und zum Teil auch komplexerer Formen noch weiter ausgestaltet werden - vergleichen Sie bitte meine Schrift über das Auge, wo ich in allen Einzelheiten in Verbindung mit diesem Beispiel auf diese Fragen zu sprechen gekommen bin. Jedenfalls ist auch solche Ausgestaltung häufig mit völlig neuen und plötzlichen Schritten verbunden, etwa die Linsenbildung, das Farbensehen, die Bildung der Tränendrüsen etc.)

Die Behauptung "Natura non facit saltum" ist in unserem Jahrhundert von der Quantentheorie bis zur Mutationsforschung so gründlich widerlegt worden, dass wir den Satz umkehren können: Die Natur macht nur Sprünge.

"Wir finden dies [den Kontinuitätsgedanken] in den Schriften fast aller erfahrenen Naturforscher angenommen:"

Die größten Naturforscher wie Linné und Cuvier (beides Schöpfungstheoretiker) und ihre Schulen waren da offensichtlich anderer Meinung. Es handelt sich dabei vielmehr um eine philosophische Grundhaltung als um eine naturwissenschaftliche Erkenntnis.

"Milne Edwards hat es treffend mit den Worten ausgedrückt: Die Natur ist verschwenderisch in Abänderungen, aber geizig in Neuerungen."

Die Fülle der verschiedenen Baupläne (der großen Neuerungen) im Tier- und Pflanzenreich ist so groß, dass ich keinen einzigen Biologen nennen kann, der alle diese Baupläne kennt, versteht und in der Lage wäre, sie alle aus dem Stehgreif zu erklären!

Aber auch an kleinen Neuerungen (innerhalb der Baupläne) besteht kein Mangel, und Abänderungen gibt es natürlich auch in Fülle. Dass die Zahl der Abänderungen die der Neuerungen übertrifft liegt in der Natur der Sache. Ein Beispiel aus der Technik: Autos sind fast alle nach dem gleichen Prinzip gebaut: Ottomotor meist vorne (selten hinten wie beim alten VW-Käfer), in der Regel besitzen sie vier Räder, Bremsen, Sitzbänke, Scheiben ringsherum, und ohne Lenkrad geht es nicht etc. etc..

Völlige Neuerungen sind recht selten, aber die Abänderungen sind fast uferlos. Jedes Modell hat seine Abänderungen und wenn man genauer hinsieht, meist auch einige zumindest kleinere Neuerungen. Ähnlich verhält es sich mit Hubschraubern und anderen Fluggeräten, U-Booten, Segelschiffen, Computern usw.: Die Möglichkeiten der Abänderungen sind fast unendlich - die technisch-funktionellen Möglichkeiten völliger Neuerungen aber erscheinen eher begrenzt (die Möglichkeiten der kleineren Neuerungen - d.h. innerhalb der "Baupläne" - sind jedoch auch sehr groß). Welcher vernünftige Mensch würde jedoch im Prinzip eine Argumentation wie die folgende akzeptieren: "Der Mensch ist verschwenderisch in Abänderungen, aber geizig in Neuerungen. Warum sollte es nach der Autoschöpfungstheorie so viel Abänderung und so wenig wirklich Neues geben?" - Also sind Autos nicht gebaut ("erschaffen") worden, sondern durch Evolution von selbst entstanden! Wir wissen zwar nicht wie, wo und warum sich die Automobile von selbst gebildet haben, auch fehlt der experimentelle Beweis, aber wir wollen glauben, dass das so ist.**

Was ich hiermit zeigen möchte, ist die Tatsache, dass sämtliche evolutionstheoretischen Erklärungsversuche von Darwin bis heute an den Realitäten vorbeigehen. Catasetum und Coryanthes und tausend andere Phänomene sind bis heute nicht evolutionstheoretisch erklärt. Nach meinem Verständnis sind sie nur durch Intelligent Design [in Verbindung mit der Message Theory] erklärbar als Ausdruck der Weisheit und Macht und Genialität ihres Designers - und manchmal, so möchte ich hinzufügen, wohl auch für einen gewissen Sinn für Humor. [Zu grundlegenden Einwänden zur Schlussfolgerung auf Intelligent Design vgl. Artbegriff und zu Fragen der Systematik vgl. weiter das Thema Evolution und Klassifikation.] Jede simple Konstruktion in der Technik setzt einen Konstrukteur voraus, wie viel mehr die tausendmal komplexeren Konstruktionen in der Tier- und Pflanzenwelt! Ich weiß natürlich, dass diese Schlussfolgerung für jeden Materialisten blanke Ketzerei ist. Dafür ist sie jedoch wahr.

Selbstverständlich darf man anderer Meinung sein. Wir haben hier in der Bundesrepublik Deutschland glücklicherweise Religions- und Glaubensfreiheit (grundgesetzlich garantiert). Man kann die Evolutionslehre zu einem unantastbaren religiösen Dogma erheben und grundsätzlich keinerlei naturwissenschaftliche Argumente gegen sie gelten lassen. Unter solchen Voraussetzungen wäre es dann aber auch nicht sinnvoll, über dieses Dogma naturwissenschaftlich zu diskutieren. Jede naturwissenschaftliche Theorie hingegen muss in der Lage sein, Falsifikationskriterien zu nennen, sonst ist sie keine wissenschaftliche Theorie. Für die Intelligent-Design-Theorie habe ich solche in der Diskussion mit Prof. K. genannt.

Nun hätte ich natürlich auch von Ihnen sehr gern Falsifikationskriterien für Ihre Evolutionstheorie gehört.

Grundsätzlich will ich mich auch von der Richtigkeit der Evolutionstheorie überzeugen lassen. Ich lade Sie daher ein, mir für Utricularia, Catasetum und Coryanthes die folgenden (auf pp. 3 und 4 schon genannten und jetzt etwas übersichtlicher aufgeführten) Fragen zu beantworten:

1) Wie viele und welche morphologisch-anatomischen und physiologischen Schritte waren für die Bildung der jeweils neuen Strukturen und Anordnungen zur Entwicklung von Coryanthes und Catasetum erforderlich?

2) Durch welche genetischen Ursachen wurden die angenommenen vielen kleinen (oder wenigen großen?) Schritte bewirkt? Können die uns bekannten Zufallsmutationen tatsächlich eine wissenschaftlich ausreichende Erklärung für die Entstehung dieser synorganisierten Strukturen bieten? (Vgl. die Details zur Mutationsfrage: Mutationen: Das Gesetz der rekurrenten Variation sowie Genduplikationen und Artbegriff)***.

3) Welche Selektionsvorteile hatten die einzelnen Schritte sowohl auf morphologisch-anatomischer als auch auf genetischer Ebene im Vergleich zu den jeweiligen Ausgangsformen bzw. den ursprünglichen Wildtypgenen ("Vorstufen")?

4) Wie sehen die experimentellen Beweise für die Richtigkeit der neodarwinistischen Behauptungen aus?

[In seinem Werk Evolutionary Biology von 1998 zitiert Douglas J. Futuyma beide Orchideenarten und gibt auch Darwins Abbildungen von 1877 dazu wieder, aber Futuyma macht nicht einmal den Versuch einer evolutionstheoretischen Erklärung! Statt dessen bemüht er sich darum - wie schon einst Darwin -, Schöpfung bzw. Intelligent Design als prinzipiell unmöglich hinzustellen. - Der oben zitierte Klaus Lunau hingegen erwähnt keinerlei Alternativtheorien zum Neodarwinismus. Bei der Frage nach der schrittweisen Entstehung der Synorganisationen bei den Orchideen setzt er die Richtigkeit der Synthetischen Evolutionstheorie einfach voraus. Der Verfasser bleibt aber sehr allgemein (um es vorsichtig zu formulieren), wenn er nach Beschreibung der Pollinien u.a. erklärt (2002, p. 88): "Die starke Reduktion der notwendigen Anzahl von Blütenbesuchen, bei dem im Extremfall der gesamte Einsatz (Pollen) auf einen Blütenbesuch gesetzt wird, ist für die Orchideen offenbar ein Spiel mit gutem Ausgang." Da die Orchideen in großer Formenfülle existieren (1 040 Gattungen und je nach Schätzung 15 000 bis 20 000 Spezies), war das Mutations-/Rekombinations- und Selektionsspiel mit den zitierten Reduktionsphänomenen "offenbar ein Spiel mit gutem Ausgang" - denn sonst gäbe es sie ja nicht! Weiter schreibt der Verfasser: "Orchideen konnten dadurch Bestäubungsstrategien entwickeln, die im Pflanzenreich einmalig sind." - Auch hier wird die Synthetische Evolutionstheorie wieder undiskutiert als richtig voraussetzt, aber der aufmerksam-kritische Leser sieht sehr schnell, dass damit noch keine einzige der oben aufgeführten und für die Theorie entscheidenden Fragen beantwortet ist (und weiter: wie konnten sich Pflanzen mit einer starken Reduktion der Anzahl von Blütenbesuchen etc. gegenüber anderen ohne Reduktion behaupten, bevor sie die dazu gehörigen, einmaligen Bestäubungsstrategien 'entwickelt' hatten?).

Da in der umfassenden und in der biologischen Tatsachenbeschreibung sowie grafischen Gestaltung gelungenen Arbeit von K. Lunau (2002) zur Mimikrythematik und verwandten Themen die Synthetische Evolutionstheorie die ausschließliche Grundlage zur Beantwortung der Frage nach der Entstehung der Strukturen bildet und da Letzteres ebenso auf viele weitere neuere und ältere Arbeiten zutrifft (für eine recht umfassende ältere Arbeit siehe Wickler 1968), wollen wir uns zunächst einmal zur grundsätzlichen Problematik der Selektionstheorie noch einige weitere Details genauer ansehen.

Oben hatte ich schon mit Karl Goebel und Wilhelm Troll erwähnt, dass "Einrichtungen wie die einer Catasetum-Blüte mit ihrer Pollinienabschleuderung oder einer Coryanthes-Blüte mit ihrem Lippenbad für die Blütenbesucher Luxusanpassungen [sind], die nicht mehr erreichen als die viel einfacheren Bestäubungseinrichtungen zahlreicher anderer Orchideen und deshalb im Kampf ums Dasein nicht gezüchtet sein können".

David Attenborough bemerkt nach Hinweis auf die in Madagaskar heimische Orchidee Angraecum sesquipedale sowie den sie bestäubenden Nachtfalter in ähnlicher Weise (1995, pp. 104/106) :

Auch andere Orchideen sind dafür bekannt, sehr komplizierte und aufwändige Bestäubungssysteme entwickelt zu haben, wobei man sich in einigen Fällen fragen muß warum soviel Energie investiert wurde, um ein Resultat zu erzielen, das die meisten Pflanzen mit sehr viel weniger Aufwand erreichen. Das gilt etwa für die Helmblume [Coryanthes], die in den Wipfeln der Urwaldbäume Mittelamerikas wächst.

Der oben schon zitierte Wolfgang Kuhn hat sich mit der Selektionsfrage zu den Orchideen wie folgt weiter auseinander gesetzt (1985, Bd. 2, pp. 177-182), wenn er zwar in populärwissenschaftlicher Sprache, aber mit höchst bedeutsamem wissenschaftlichem Inhalt Folgendes ausführt (Hervorhebungen, außer kursiv "müssen", im Schriftbild wieder von mir):

Überraschenderweise jedoch scheint es gerade niemanden zu überraschen, daß es unleugbar mehr Gänseblümchen und Löwenzahnpflanzen, ja noch weit mehr viel einfacher gebaute "Butterblumen" auf unseren Wiesen gibt als Orchideen. Sie alle vermochten demnach im "Kampf ums Dasein" zu bestehen und zu überleben - sogar besser und sehr, sehr viel erfolgreicher als die paar Orchideen, die hier und da versteckt mitten unter ihnen blühen mögen. Da ihre Nachkommenzahl also außerordentlich viel größer ist als bei diesen ausgesprochenen, schutzbedürftigen Seltenheiten, erwiesen sie sich nach Darwin als die bei weitem "Tüchtigeren", die "Fittesten" im "Kampf ums Überleben". Weshalb also hätten sich jemals Orchideen entwickeln müssen, wo doch gerade dieser evolutive Prozeß ihre Überlebenschancen stark verringerte, statt sie im Gegenteil zu erhöhen? Man könnte es freilich auch einfacher formulieren: Warum denn in aller Welt so kompliziert, wenn doch just das gleiche rascher, erfolgreicher und so unendlich viel einfacher funktioniert?

Die Synthetische Evolutionstheorie behauptet jedoch nicht, dass die Orchideen mit Notwendigkeit entstehen "mussten", sondern völlig ungeplant in dem oben genannten "Spiel" eben auch entstanden seien. Man fragt sich jedoch, wie die Orchideen im von Kuhn genannten Widerspruch zu diesen Spielregeln der Selektion überhaupt entstehen konnten (- von den niemals beobachteten, vergleichbare Strukturen aufbauenden Mutationen einmal ganz abgesehen [ich möchte nur einmal eine aus Mutationsexperimenten mit D. melanogaster hervorgegangene, wesentliche größere Fliege mit klarer schwarzgelber Warnstreifung mit Überlebenschancen in der Natur sehen] - es sei an dieser Stelle noch einmal an den Beitrag Mutationen: Das Gesetz der rekurrenten Variation erinnert.) - Kuhn fährt fort:

Eine ganz gewöhnliche "Butterblume" - welche unserer vielen Hahnenfußarten der Volksmund auch immer so bezeichnen mag - ist nicht nur am Wegrand oder Wiesenrain, auf der Waldwiese ebenso wie auf dürftigem Sandboden, auf trockenen Kalkhängen oder sogar im feuchten, nährstoffarmen Hochmoorboden überall "zuhause", während die Insekten-Orchideen ausschließlich auf Kalkböden mit ganz bestimmten PH-Werten angewiesen sind. Sie brauchen darüberhinaus auch weder raffinierte Düfte zu erzeugen, noch irgendwelche Insekten nachahmende Attrappenformen auszubilden, um dennoch bestäubt zu werden. Ihnen genügt einfaches gelbes Pigment durchaus, um den Insekten vor dem grünen Hintergrund der anderen Wiesenpflanzen aufzufallen, und sie können, um ihnen ausreichend Pollen mitzugeben, auf "Pollinien" mit "Regenschutz" und Haftmechanismen absolut verzichten! Nicht einmal irgendwelche Saftmale als "Wegweiser" für die Blütenbesucher sind erforderlich. Winzige Mengen Nektar am Grunde der gelben Nektarblätter (die wie Blütenkronblätter aussehen) unter bergenden Schuppen abgesondert, belohnen die bestäubenden Insekten für ihre Mühe. Aber sogar das ist völlig überflüssiger "Luxus", denn bei einigen Hahnenfußarten fehlen selbst diese Nektardrüsen - und auch sie sterben keineswegs etwa aus im "Kampf ums Dasein"!

Im Grunde genommen hätte es die Evolution (von der seltsamerweise manche Neodarwinisten wie von einer Person reden!) also ruhig bei der einfachsten und zugleich erfolgreichsten Blütenform belassen können, etwa bei sternförmigen, "radiärsymmetrischen" Blüten, wie sie heute noch die Hahnenfußgewächse, besonders auffällig etwa das häufige Scharbockskraut oder das im Frühjahr gleichzeitig mit ihm erscheinende Buschwindröschen besitzt. Es wäre absolut nicht "nötig" gewesen, andere Blütenformen auszubilden, wie sie beispielsweise die Lippenblütler, Rachenblütler, Glockenblumen usw. besitzen. Wiederum die Zahl der Nachkommen als Maßstab angelegt, haben sie sich keineswegs durch diese unvermeintlichen "Verbesserungen" im Blütenbau als die "Tüchtigsten" erwiesen!

Reinhard Eichelbeck schreibt zur Selektionsfrage des für unsere Orchideen relevanten Themas der Mimese und Mimikry (1999, pp. 195/196):

Und eine weitere Frage drängt sich auf: Wenn Mimese oder Mimikry tatsächlich einen derartigen Überlebensvorteil haben, warum gibt es sie dann nicht öfter? Diese Fragestellung nenne man in Amerika den "Kühlschrankirrtum", meinte Professor Wolfgang Wickler, Verfasser eines Standardwerkes über Mimikry, in einem Artikel der Zeitschrift "Natur": "Denn natürlich kann dasselbe Argument auf Kühlschränke angewendet werden. Kühlschränke können keinen so großen Vorteil bieten, wie man gemeinhin annimmt, denn die meisten Menschen auf der Welt kommen ohne Kühlschrank aus." Der Logik dieses Argumentes folgend, könnte man sagen: Der Kühlschrank ist in der Tat zwar bequem, aber kein unbedingter "Überlebensvorteil", denn der Mensch hat es schließlich in der Vergangenheit geschafft, mehr als 50 000 Jahre ohne Kühlschränke zu überleben. Und wenn für Mimese und Mimikry das gleiche gilt wie für den Kühlschrank, dann sind sie also auch nicht unbedingte "Überlebensvorteile", sondern sie sind eben einfach nur bequem. Wie kann das aber sein, wo doch nach Darwin alles, was von der "natürlichen Selektion" erzeugt wird, einen "Überlebensvorteil" im "Kampf ums Dasein" darstellen muß?

Diese Erklärung wäre jedenfalls denkbar weit entfernt von der Selektionsbegründung Darwins und der heutigen Synthetischen Evolutionstheorie, ganz abgesehen davon, dass die neuen Synorganisationen äußerst "unbequem" zu sein scheinen.

Darüber hinaus haben Wicklers Populationen mit den Kühlschränken im allgemeinen eine geringere Nachkommenschaft als die ohne und wären damit auf lange Sicht zum Aussterben verurteilt!

Diese Anmerkungen bedeuten jedoch nicht, dass bei der Thematik der Mimese und Mimikry die Selektionsfrage insgesamt irrelevant sei. Es gibt Beispiele für frequency-dependant selection verschiedener Erscheinungsbilder in Populationen einer Art und die oft nur noch als "phantastisch" zu bezeichnenenden Tarn- und Warntrachten im Organismenreich haben für die betroffenen Spezies in aller Regel auch Überlebensfunktionen (man vergleiche nur einmal die eindrucksvollen Beispiele, die u.a. in dem großformatigen Buch von Ferrari (1997) oder auch bei Lunau (2002) und Wickler (1968) dargestellt sind. Der entscheidende Fehler vieler Autoren liegt jedoch darin, dass sie mit diesen Funktionen auch den Modus ihrer Entstehung durch Mutation und Selektion ohne weitere Diskussion als gegeben voraussetzen. Das "Survival of the Fittest" erklärt jedoch noch nicht das "Arrival of the Fittest", wie kürzlich ein bestens informierter Autor mit einer sehr starken Präferenz für neodarwinistische Erklärungen eingeräumt hat.

Wenn selbst ein scheinbar so vollkommen klar und einfach liegender Fall für mutations- und selektionsbedingte Tarnung wie der des Birkenspanners in den letzten Jahren in größte Schwierigkeiten geraten ist (vgl. Judith Hooper [2002]: Of Moths and Men: Intrigue, Tragedy & the Peppered Moth; Fourth Estate, 377 pp., sowie Industriemelanismus), so darf man sich wohl fragen, wie es dann bei genauerer Betrachtung um die große Mehrheit der weitaus komplexeren Fälle bestellt sein wird (Mutation und Selektion können in bestimmten Phasen der Existenz von Populationen ein Rolle spielen, aber diese Faktoren reichen nicht aus, um den Ursprung der zahlreichen Phänomene komplexer Mimese und Mimikry in seinen Ursachen völlig zu erklären).

Kommen wir zu unseren Orchideen zurück, an denen sich diese Einwände deutlich veranschaulichen lassen. Robert Nachtwey bemerkt in seinem ganz ausgezeichneten Werk INSTINKT RÄTSEL DER WELT zum Aufbau und Funktion der Orchisblüten (1950, pp. 133/144):

Diese Blumen sind...der Ausdruck eines in sich vollendeten technischen Planes. Jede Einzelheit erscheint als notwendiges Glied des Ganzen. Würde sich der Nektar frei im Sporn ansammeln, wie es doch bei unzähligen gespornten Blüten, bei Hahnenfußgewächsen und Rachenblütlern üblich ist, so wäre nicht die unbedingte Gewähr dafür gegeben, daß das Insekt sein Köpfchen fest in die Blüte preßt; deshalb bleibt der Nektar im Gewebe der Spornwandung aufbewahrt. Die Narbe liegt aber dicht unterhalb des Schnäbelchens, so daß die Pollinien notwendig auf die Narbenfläche treffen müssen, sobald sie sich nur etwas nach vorn senken. Und daß sie sich wirklich senken, daß sie tatsächlich diese Neigung ausführen, ergibt sich wieder aus anderen Einzelheiten der Konstruktion. Die Pollinienstielchen bestehen nämlich aus einer wasserhaltigen Gallertmasse, die unter gewöhnlichen atmosphärischen Bedingungen schnell ihre Feuchtigkeit und ihre Spannung verliert, so daß die Stielchen am Insektenkopf schon in einer halben Minute nach unten sinken. Am Ort ihrer Entstehung müssen sie also feucht aufbewahrt werden, sie ruhen deshalb wohlverpackt in Säckchen, die sie vorzüglich gegen das Vertrocknen schützen. Natürlich müssen diese Schutzbeutelchen wiederum ganz außerordentlich zart sein, damit sie sofort der Länge nach aufreißen, wenn das Insekt die Pollinien mit sich zieht.

Die Klebscheibchen an den Pollinienstielchen tragen einen flüssigen Leim, der an der Luft augenblicklich erhärtet und dann außerordentlich fest am Insektenkopf haftet. Auch die beiden Pollenklümpchen sind wieder äußerst zweckmäßig eingerichtet. Sie bestehen aus vielen einzelnen Blütenstaubpäckchen, die untereinander durch zarte, klebrige Fäden verbunden sind. Werden sie nun auf die Narbenfläche einer Blüte gedrückt, so bleiben nur einige Pollenpäckchen auf der Narbe haften, da die Verbindungsfädchen zerreißen. Die andern Päckchen aber bleiben am Insektenkopf, werden weiter mitgenommen und auf andere Blüten getragen. Auf diese Weise kommen stets ungemein viele Pollenkörner aus den verschiedensten Blüten auf eine einzige Narbe, und somit ist vielfache, wechselseitige Fremdbestäubung gewährleistet. Die sehr zahlreichen Samen eines Fruchtknotens entwickeln dann ganz verschiedene Individuen.

Wieviel sinnvolle Erfindung in einer einzigen Orchisblüte, jede kleinste Einzelheit hat ihre besondere Bedeutung im Plan des Ganzen und keine dürfte fehlen. Würde der Leim am Klebescheibchen nicht sofort hart werden, so wäre alles andere sinnlos, weil die Pollinien verloren gingen. Neigte sich das Pollinienstielchen nicht alsbald nach unten, so kämen die Blütenstaubkörner nicht auf die Narbe der neuen Blüte, und wieder wäre der ganze Apparat vollständig umsonst gebaut.

Wenn aber jemand meint, man könnte die Entstehung all dieser sinnvollen Einzelheiten der Orchisblüte mit der Zufallstheorie Darwins erklären, so muß die Kraft seines Glaubens Berge versetzen können, denn ein solches zufälliges Zusammentreffen wäre das größte Wunder. Die Errichtung der Orchisblüte ist im Daseinskampf ebensowenig notwendig wie die Kesselfalle des Aronstabs, denn Tausende anderer Pflanzen, die solche Apparate nicht besitzen, erhalten ihre Art und vermehren sich massenhaft.

D. h. also: Wenn auch im Vergleich zu anderen Pflanzenformen eine selektionistische Deutung der Entstehung der neuen Funktionspläne der Orchideen nicht überzeugend gegeben werden kann, so sind doch die geschlossenen Funktionskreise der Bauelemente für das Überleben dieser Formen sehr wohl notwendig. Die Entstehung der Gesamtsysteme ist jedoch ebenso wenig durch Mutation und Selektion zu erklären wie die Entstehung der Kühlschränke durch ziellose Faktoren in W. Wicklers Veranschaulichung oben.

Das Survival of the Fittest betrifft in selektionsstringenten Umwelten nur die Möglichkeiten und Grenzen der Variabilität innerhalb der Funktionskreise, wobei gleichwertige (neutrale) Variabilität bei der Bildung morphologischer Arten in vielen Tier- und Pflanzengattungen eine erhebliche Rolle spielen dürfte. Die ganz spezifische Zuordnung von Orchideen- und Insektenarten ("The pollinators of the different Coryanthes species fit exactly to the size of the tunnel formed by the lip and the column...... only the appropriate pollinator is attracted." vgl. die weiteren Details bei G. Gerlach) ist damit aber noch nicht erfasst. Unter weniger selektionsstringenten Umweltverhältnissen kann es bei vielen Lebensformen aber auch zu Degenerationserscheinungen kommen, soweit zumindest nicht grundlegend-lebensnotwendige Funktionen betroffen sind (vgl. das Kapitel DEGENERATION IM ORGANISMENREICH der Artbegriffsarbeit), bzw. keine alternativen Überlebensstrategien zur Verfügung stehen (etwa eine ausreichende vegetative Fortpflanzung). Ob (und falls ja, inwieweit) die Degenerationsfrage auch auf bestimmte funktionale Strukturen von Orchideen zutreffen könnte, ist ein noch weitgehend offenes Problem. Bei der die Orchideen kennzeichnenden Höchstspezialisierung ist jedenfalls zu erwarten, dass bei Ausfall essentieller Funktionskreise das ganze System zusammenbricht, d.h. keine Nachkommen mehr erzeugt werden. - Siehe darüber hinaus auch die Ausführungen der Fußnote** zum Thema "Vervollkommnung".]

Wenn jedoch die heutigen Evolutionstheorien die grundsätzlichen Fragen zum Ursprung neuer synorganisierter Strukturen und Systeme nicht beantworten können und trotzdem mit großer Selbstsicherheit wissenschaftliche Akzeptanz fordern, dann ist das für mich eine reine Glaubensforderung, die auf demselben Niveau steht wie etwa die Glaubensforderung der russisch-orthodoxen oder katholischen etc. Kirchen an deren jeweilige Dogmen.

[Schlussbemerkungen: Die hier begonnene Diskussion zu den Orchideen könnte man auf zahlreiche weitere synorganisierte Strukturen, Einrichtungen und Funktionen dieser Pflanzenfamilie ausdehnen. - Herr Dr. A. hat keinen der ihm seinerzeit übersandten Punkte (d.h. etwa 80% der vorliegenden Argumentation) aufgegriffen und im Sinne einer Evolutionstheorie beantwortet.

Zur Alternativfrage kommentiert Robert Nachtwey 1950, p. 144:

Die Orchisblüte kann nicht aus der zufälligen Summierung vieler zusammengewürfelter Einzelheiten, sondern nur aus der planmäßigen Zusammenfügung ihrer Teile entstanden sein.

Nach wie vor gilt in vielen Punkten auch für Coryanthes und Catasetum Prof. Adolf Portmanns Resümee zum Ursprung der von ihm diskutierten Orchideen Gorytes und Ophrys (1970, in der Reihenfolge pp. 535, 545, 547 und p. 542, Anmerkungen in Klammern von mir):

Der Weg ihrer "Evolution" ist in keinem Fall durch Etappen unserem Verständnis [im Sinne des Reduktionismus] zugänglich.

Die Zweifel an der allgemeinen Geltung dieses Weges [der funktionalen Morphologie] zum Verstehen sind aber nicht leicht zu nehmen. Der Nachweis von Strukturen, die über das funktionsgemäße Ziel hinausschießen, die man deshalb auch als luxurierend, als hypertelisch bezeichnet hat, muß uns jeder allzu weitgehenden funktionalen Deutung gegenüber zurückhaltend stimmen.

So, wie die Leistungssteigerung durch die Kybernetik nicht etwa die Erfindung des Neuen im menschlichen Dasein erklärt, so erklären auch die bedeutsamen Entdeckungen der Genetik nicht das Auftreten der komplexen Neuerungen, die über das hinausgehen, was die uns bekannten Prozesse genetischer Veränderung uns bisher vor Augen stellen.

Die Entdeckung einer für alle Lebewesen einheitlichen Struktur, einer zur Selbstreplikation fähigen Überträgerin von Information von Schriftcharakter, hat wesentliche Konsequenzen.

Und auf der Seite 543 schreibt Portmann: "Die besondere Struktur dieser besonderen Informationsprozesse, die uns den Vergleich mit unserer schriftlichen Verständigung aufdrängen, lenken den Blick auf die Phänomene, die wir im menschlichen Bereich als geistige Beziehung kennen, die ja auch bei uns nicht auf das wache Bewußtsein beschränkt ist. Die Diskussion um das Problem des Geistigen erhält neue Impulse."

Gemäß der oben aufgeführten Argumentation gibt es zahlreiche wissenschaftliche Gründe, die folgenden Worte des Paläontologen Oskar Kuhn und des Botanikers Wilhelm Troll zum Typusbegriff auch auf den Subtypus der Orchideen und die Genera Coryanthes und Catasetum anzuwenden: "Der Typus ist wie jede Gestalt, realmorphologisch gesehen, Verwirklichung eines Planes in indifferenter Materie, die ebensogut eine andere Gestalt hätte annehmen können. Als ein Universale ist der Typus objektiv gültig, in ihm wird das Wesen der Dinge gefaßt. Naturwissenschaftlich ist die Entstehung der Typen das größte Rätsel wegen ihres inadaptiven Charakters. Daher meinen wir mit W. Troll, daß Typen als »die Gedanken einer aus dem Welthintergrunde in die Natur hereinwirkenden, schöpferischen Macht« aufzufassen sind, welche »der Materie neuartige Ausprägungen verleihend, die typenhaften Grundformen ins Dasein rief«."

Vgl. weiter Die Synthetische Evolutionstheorie und die Intelligent-Design-Theorie: Ein Vergleich (Diskussion des Haupteinwandes zu Coryanthes und Catasetum).]

 

____________

[1]"Gesichert" im Sinne der heutigen Möglichkeiten und Grenzen der Naturwissenschaft.

#Kurz ein Hinweis zur heutigen Systematik dieser Orchideen:

Familie: Orchidaceae

Tribus: Maxillarieae

Subtribus: Stanhopeinae

Gattung: Coryanthes (mit ca. 15 Arten, nach Gerlach inzwischen 34 Arten)

Tribus: Cymbidieae

Subtribus: Catasetinae

Gattung: Catasetum (mit ca. 50 Arten)

Die Maxillarieae sind morphologisch-systematisch mit dem Cymbidieae so nahe verwandt, dass die Letzteren in der Regel auf die Maxillarieae in systematischen Werken folgen. - Zur Ableitung der Namen: "Coryanthes, f., Gatt. der Orchidáceae (griech. kórys=Helm; ánthos=Blume; nameltlich Bezug auf die helmförmigen unpaaren hinteren Perigonblätter des inneren Kreises; danach: Helmorchidee (-stendel);..." (Schubert/Wagner 2000, p.167). [Der Begriff Perigon wird jedoch in der Regel für eine Blütenhülle gebraucht, "die nicht in Kelch und Krone gegliedert ist" (Wagenitz 1996, p. 278), also für eine "einheitliche Blütenhülle, bestehend aus gleichgestalteten und gleichgefärbten Blütenhüllblättern...Das Perigon kann kronartig (Tulpe) oder kelchähnlich sein" (Schubert/Wagner 2000, p. 413).] "Catasetum, n., Gatt. der Orchidáceae (griech. káta=abwärts, von...weg; lat. séta=Borste; namentl. Bezug auf die in den männlichen Blüten der meisten Species vorhandenen zwei abwärts gerichteten Anhängsel der Säule)" (Schubert/Wagner 2000, p.147).

*Bei der Formulierung, "daß neue Organe sehr selten oder nie plötzlich bei einem Wesen erscheinen, als ob sie für einen besonderen Zweck geschaffen wären", setzt Darwin die Existenz 'der Wesen' mit ihren Bauplänen und Organsystemen bereits undiskutiert voraus. Aber auch innerhalb der Baupläne kann noch sehr viel geschehen.

**Vgl. zur 'Autoevolution' die Ausführungen von Phillip E. Johnson: "Berra's Blunder": Der Autor bemerkt in seinem Buch DEFEATING DARWINISM BY OPENING MINDS zum Thema Learn the difference between intelligent and unintelligent causes (InterVarsity Press, 1997, pp. 62/63):

Tim Berra is a professor of zoology at Ohio State University. He wrote a book that was published by the Stanford University Press with the title Evolution and the Myth of Creationism: A Basic Guide to the Facts in the Evolution Debate. Berra's book has much the same purpose as this book. It aims to explain, for nonscientists, how good thinkers should view the conflict between evolution and creation. Here is Berra's explanation of "evolution," which comes illustrated with photographs of automobiles in the middle of the book:

Everything evolves, in the sense of "descent with modification," whether it be government policy, religion, sports cars, or organisms. The revolutionary fiberglass Corvette evolved from more mundane automotive ancestors in 1953. Other high points in the Corvette's evolutionary refinement included the 1962 model, in which the original 102-inch was shortened to 98 inches and the new closed-coupe Stingray model was introduced; the 1968 model, the forerunner of today's Corvette morphology, which emerged with removable roof panels; and the 1978 silver anniversary model, with fastback styling. Today's version continues the stepwise refinements that have been accumulating since 1953. The point is that the Corvette evolved through a selection process acting on variations that resulted in a series of transitional forms and an endpoint rather distinct from the starting point. A similar process shapes the evolution of organisms."

Of course, every one of those Corvettes was designed by engineers. The Corvette sequence - like the sequence of Beethoven's symphonies or the opinions of the United States Supreme Court - does not illustrate naturalistic evolution at all. It illustrates how intelligent designers will typically achieve their purposes by adding variations to a basic design plan. Above all, such sequences have no tendency whatever to support the claim that there is no need for a Creator, since blind natural forces can do the creating. On the contrary, they show that what biologists present as proof of "evolution" or "common ancestry" is just as likely to be evidence of common design.

I described the credentials of Professor Berra and named the publisher so nobody could accuse me of attacking a "straw man." A distinguished university press would not publish such a book without obtaining professional reviews certifying that its scientific explanations were reliable. Evidently the reviewers saw nothing wrong with equating automotive engineering and biological evolution. I am not surprised, because evolutionary biologists typically do not understand that sequences resulting from variations on common design principles (as in the Corvette series) point to the existence of common design, not its absence. I have encountered this mistake so often in public debates that I have given it a nickname: "Berra's Blunder."

Nachzutragen ist jedoch, dass die Unterschiede im Organismenreich generell nicht auf "Vervollkommnung" zurückzuführen sind, und zwar ganz im Gegensatz zu menschlichen Werken, bei denen das häufig der Fall ist. J. von Uexküll hat diesen Punkt einmal wie folgt ausgeführt: "Man sah in der Tierreihe den Beweis für eine stufenweise ansteigende Vervollkommnung von der einfachsten zur mannigfaltigsten Struktur. Nur leider vergaß man dabei das eine, daß die Vollkommenheit der Struktur gar nicht aus ihrer Mannigfaltigkeit erschlossen werden kann. Kein Mensch wird behaupten, daß ein Panzerschiff vollkommener sei als die modernen Ruderboote der internationalen Ruderklubs. Auch würde ein Panzerschiff bei einer Ruderregatta eine klägliche Rolle spielen. Ebenso würde ein Pferd die Rolle eines Regenwurms nur sehr unvollkommen ausfüllen." Dasselbe gilt selbstverständlich auch für die Botanik: Ein Alpenveilchen würde die Rolle eines Schimmelpilzes "nur sehr unvollkommen ausfüllen", ebenso eine Pfingstrose die Rolle eines Knöllchenbakteriums.

Die Mannigfaltigkeit der Struktur, der Differenzierungsgrad der Lebensformen sagt also noch nichts über ihre biologische Vollkommenheit im Sinne von Existenzfähigkeit aus. Andernfalls müßten ja all die weniger differenzierten "unvollkommeneren" Formen längst ausgestorben sein; sagt doch Darwin: "...each new form will tend...to take the place of, and finally exterminate, its less improved parent...". - Wir haben das ja oben auch schon anhand der Beispiele von Coryanthes und Catasetum gesehen. Ich darf noch einmal an den folgenden Punkt erinnern: "Die Coryanthes ist keine verbreitete Orchidee und blüht außerdem in unregelmäßigen Abständen. Die Bienen sind auch nicht gerade häufig, obwohl eine blühende Coryanthes angeblich über eine Entfernung von bis zu 8 Kilometern hinweg Bienenmännchen anzieht, werden - wenn überhaupt - nur wenige von ihnen gerade Pollinien von einer anderen Pflanze auf dem Rücken tragen. Außerdem fällt ja auch nicht jeder Besucher in den Eimer. Die Chancen für diese Orchidee scheinen also ausgesprochen schlecht zu stehen. Beobachtungen der Coryanthes in freier Natur ergaben, dass die Pflanzen nur sehr selten mehr als eine Samenkapsel pro Blütenstil trugen - in den meisten Fällen gar keine." Wie bei dieser Sachlage die Entwicklung von Coryanthes aus einer "normalen" Orchidee durch Mutationen mit "slight or even invisible effects on the phenotype" (Mayr) abgelaufen sein soll ("denn die natürliche Zuchtwahl wirkt nur dadurch, dass sie sich kleine allmähliche Abänderungen zunutze macht; sie kann nie einen großen und plötzlichen Sprung machen, sondern muss mit kurzen und sicheren, aber langsamen Schritten voranschreiten" - vgl. Darwin oben), wobei jeder kleine Schritt mit entscheidenden Selektionsvorteilen verbunden gewesen sein soll ("each new form will tend...to take the place of, and finally exterminate, its less improved parent"), ist für mich nicht nachvollziehbar. Stattdessen scheitert die Selektionstheorie an solchen Beispielen: Müßte eine solche Evolution nicht über viele funktionsbeeinträchtigte, wenn nicht gar funktionsunfähige Zwischenglieder führen? (Siehe auch oben die Ausführungen nach Prof. Wolfgang Kuhn.) - Ich habe übrigens die Frage nach der "Vervollkommnung" im Organismenreich in meiner ersten Staatsexamensarbeit (1971) (vgl. "Artbegriff den zweiten Teil des Kapitels) und in der Augenschrift (1989) weiter diskutiert.

***Auch hier könnte man - wie zu Utricularia geschehen - den Vorschlag unterbreiten, erst einmal die Genetik und Molekularbiologie von Coryanthes und Catasetum detailliert zu studieren. Zur Utricularia-Thematik hatte ich wie folgt geantwortet und diese Antwort trifft im Prinzip auch auf die oben genannten Beispiele zu:

Wir wissen auf morphologisch-anatomischer und physiologischer Ebene schon sehr genau, was erklärt werden muss. Und hier versagen bisher in sämtlichen Testdiskussionen alle mir bekannten Evolutionstheorien völlig.

Der Vorschlag, zusätzlich zu den bekannten biologischen Daten die Genetik der Utricularia-Falle zu studieren [oder die Genetik der Synorganisationen von Coryanthes und Catasetum], ist mir dennoch ausgesprochen willkommen. Die Ergebnisse dieser zukünftigen Studien werden höchstwahrscheinlich die Widerlegung der verschiedenen Evolutionstheorien auch auf dieser Ebene deutlich nachweisen und damit die schon bekannten evolutionären Schwierigkeiten noch weiter ergänzen.

Wenn es auch wichtig ist, die Unzulänglichkeiten der heutigen Evolutionsauffassungen auch auf der genetischen [und molekularbiologischen] Ebene weiter zu fundieren, so reichen nach allen meinen bisherigen Erfahrungen die bekannten biologischen Daten zu Utricularia [oder Coryanthes und Catasetum als Musterbeispiel(e) für zahlreiche ähnlich gelagerte Fälle der Synorganisation] schon vollständig aus, um jede Evolutionstheorie in äußerste Verlegenheit zu bringen. Aber nehmen wir an, wir hätten zusätzlich noch alle genetischen Daten - sagen wir unter anderem auch einige völlig neue Regulator- und Targetsequenzen als Beispiele für "irreducible complexity" auf der molekulargenetischen Ebene (so wie wir das für den Elektrorotationsmotor von E. coli und von vielen weiteren Beispielen her kennen - ich möchte an dieser Stelle das zwar zeitaufwändige, aber doch sehr lohnende gründlich-kritische Studium von M. Behes Darwin's Black Box empfehlen), - würde dann die Mehrheit der zeitgenössischen Evolutionstheoretiker tatsächlich Intelligent Design als Ursache für den Ursprung der Organismen in ihr Weltbild integrieren?

 

Literatur

Arnold, P. (1994): Orchideen. Fotografien und Texte von Peter Arnold. Collection Rolf Heyne. Wilhelm Heyne Verlag München.

Attenborough, D. (1995): Das geheime Leben der Pflanzen. Bertelsmann Verlag. Gütersloh.

Cronin, H. (1993): The Ant and the Peacock. Cambridge University Press. Cambridge. (first published 1991, First paperback edition 1993.)

Darwin, C. (1872/1967): The Origin of Species. Everyman's Library. No. 811. London. Introduction by W.R.Thompson.

Und: Darwin, C. (1876): UEBER DIE ENTSTEHUNG DER ARTEN DURCH ZUCHTAUSWAHL ODER DIE ERHALTUNG DER BEGUENSTIGTEN RASSEN IM KAMPFE UM'S DASEIN. VIII/592 pp. - Fussnoten. AUS DEM ENGLISCHEN UEBERSETZT VON H.G.BRONN NACH DER 6. ENGLISCHEN AUFLAGE WIEDERHOLT DURCHGESEHN UND BERICHTIGT VON J.V.CARUS. Stuttgart. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung. - Sowie Darwin, C.: Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl. Übersetzung von Carl W. Neumann. Reclam. Stuttgart 1963/1981

Darwin, C. (1877): DIE VERSCHIEDENEN EINRICHTUNGEN DURCH WELCHE ORCHIDEEN VON INSECTEN BEFRUCHTET WERDEN. In: Die Bewegungen und Lebensweise der kletternden Pflanzen. Aus dem Englischen übersetzt von J. Victor Carus. Stuttgart. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung. Darwin. Gesammelte Werke. BD.9.

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